LEWI Projekttagebuch 02.02.2020 (1)

So war die Veranstaltung: WERTEerziehungskompetenztraining Umgang mit Wut & Aggression bei Kindern

Letzten Sonntag wurde für Eltern ein WERTEerziehungskompetenztraining mit dem Inhalt „Umgang mit Wut und Aggression bei Kindern mit und ohne Behinderung“ mit der Referentin Stefanie López (Familienbande) angeboten. Zeitgleich hat für Jugendliche der inklusive Jugendworkshop „Barrierefreie Geschichten erfinden mit Tabletts, Smartphones & Apps“ mit dem Referenten Johannes Rück (barrierfrei kommunizieren!) stattgefunden.

Der Bericht über das WERTEerziehungskompetenztraining basiert auf Teilnehmer*innenrückmeldungen und dem freundlicherweise von Stefanie López zur Verfügung gestellten Handout.

Die Referentin von Familienbande vermittelt im WERTEerziehungstrainning, dass Aggression ein wichtiges und gesundes Gefühl ist, mit dem ein konstruktiver Umgang erlernt und erprobt werden kann. Das gilt gleichermaßen für Kinder und für Erwachsene:

„Es geht darum, für sich selbst zu sorgen, ohne andere dabei zu verletzen. Wenn wir zeigen, was wir brauchen und wo unsere Grenzen sind und unsere Kinder ermutigen, dies auch zu tun, dann lernen wir uns kennen und haben enge Beziehungen.“ (Auszug aus Handout von Stefanie López)

Dieser Ansatz von Stefanie entspricht dem Grundgesetz Artikel 2, mit dem wir uns in den letzten Monaten in verschiedenen Projektveranstaltungen immer wieder auseinandergesetzt haben.

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden. (Grundgesetz Artikel 2)

Wie ist es möglich, Kindern einen konstruktiven - die Freiheit der anderen nicht beschneidenden - Umgang mit Wut erfahrbar zu machen, welche Wege der liebevollen Begleitung gibt es und wie können Erwachsene im Umgang mit eigenen Aggressionen als Vorbild fungieren? Stefanie López von Familienbande beantwortet das u.a. wie folgt:

„Wenn ein Kind oft sehr wütend ist, aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen, dann gibt es dafür Ursachen. Und es ist unsere Verantwortung als Eltern, diese zu finden und unserem Kind zu helfen, dass es sich wieder besser fühlt. Wut ist ein Zeichen von Hoffnung. Kinder, die oft sehr wütend sind sagen den Erwachsenen damit: „Seht her, mir geht es schlecht und ich will, dass jemand das sieht und mir hilft herauszufinden, was zu tun ist.“ (Auszug aus Handout von Stefanie López)

Stefanie weist darauf hin, dass Aggression immer ein Gefühl ist, dem ein anderes vorausgegangen ist. Zum Beispiel Einsamkeit, Angst, das Gefühl nicht (genug) geliebt zu werden usw. Kinder für ihre Wut zu bestrafen, sie als „schlecht“ oder „unnötig" abzuwerten oder nicht ernst zu nehmen, wird langfristig nicht zu einem konstruktiven Umgang mit diesem an sich kraftvollen Gefühl führen.

„Wenn wir das Kind ablenken, bestrafen, beschimpfen, oder ihm die Wut ausreden, bekommt es das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt, dass diese Wut nicht sein darf und unerwünscht ist. Es wird entweder noch wütender, oder es wird lernen, seine Gefühle zu unterdrücken. So erlernt es für sein Erwachsenenalter nicht die Fähigkeit zur Selbstregulation. Diese wird im Stirnhirn gesteuert. Dieser Bereich lernt und entwickelt sich sehr langsam. Aber was ein Mal gespeichert ist, geht nicht mehr verloren. Mit diesem Blick ist es vielleicht einfacher, das Kind das nächste Mal seine Wut ausleben zu lassen. Begleiten wir es liebevoll durch seine Wut, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein ausgeglichener Erwachsener, der seine Aggression auf eine Weise zeigt, die sehr gesund ist." (Auszug aus Handout von Stefanie López)

Die Referentin von Familienbande betont, dass bei Erwachsenen die Fähigkeit eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und ein bewusster gesunder Umgang mit eigenen Aggressionen die Grundvoraussetzungen sind, um einem Kind ebendies erfahrbar und erlebbar zu machen.

Im handlungsorientierten Training wurden deshalb ebenso Strategien zur Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse erprobt, als auch Kommunikationstechniken, die Erwachsenen erlauben dem Kind in seiner Aggression, das zu geben, was es braucht und sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach der Ursache für die Wut zu machen.. Angeregt wurde u.a. auch gemeinsam mit dem Kind nach Wutausdrucksformen zu suchen, die niemanden anderes gefährden aber dem Kind zugleich erlauben das Gefühl auszuleben.

Die Teilnehmenden haben aus diesem Training vielseitige Anregungen mitgenommen. Sie haben sowohl von der Kompetenz der Referentin als auch von den Erfahrungswerten der anderen Teilnehmenden profitiert. Ein dreistündiges Training kann natürlich keine Einzelberatung ersetzen. Ein paar Fragen sind offen geblieben, lassen sich aber möglicherweise im nächsten WERTEerziehungskompetenztraining mit dem Thema "Vision Familie" noch mal aufgreifen.


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