LEWI-Projekttagebuch: 01.10.2019
WERTEerziehungskompetenztraininig + Jugendworkshop WERT(e) VOLL (er)leben lernen!

So war unsere erste Doppelveranstaltung: Respekt + Toleranz * Kooperation statt Gehorsam + Kinderbetreuung

Am vergangenen Sonntag (29.09.2019) hat im Rahmen unseres Projektes LebensWERTE Vielfalt inklusiv! (LEWI) eine gut besuchte Doppelveranstaltung (3 Angebote gleichzeitig) stattgefunden. Die Eltern haben sich im inklusiven WERTEerziehungskompetenztraining mit Stefanie López von „Familienbande“ aktiv mit dem Inhalt „Kooperation statt Gehorsam“ beschäftigt. Zeitgleich wurde für die Kinder und Jugendlichen ein inklusiver Karateworkshop durchgeführt. Der Kurs „Geschichten erzählen und spielen“ war ursprünglich als Betreuungsangebot ausschließlich für Kinder vorgesehen, wurde aber als Rückzugsort von allen Altersgruppen genutzt.

Im inklusiven Karatekurs ging es nicht nur um das körperliche Erproben von Übungen. Es war den Trainiern auch wichtig die Philosophie von Karate Do zu vermitteln. Unterstrichen wurden in diesem Zusammenhang die Werte Frieden, Toleranz und Respekt. Das Ziel von Karate ist nicht Sieg oder Niederlage, sondern die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit, durch Konzentration und Selbstbeherrschung. Alle waren konzentriert und mit Begeisterung bei der Sache. Einige brauchten zwischendurch Auszeiten und haben sich in die Geschichtenerzählgruppe zurückgezogen. Es gab aber auch Kinder und Jugendliche, die drei Stunden lang (mit zwei Gruppenpausen) unermüdlich auf der Matte gestanden haben. Respekt!

Die Zeit mit den Kindern und Jugendlichen ist wie im Fluge vergangen und ich selber habe vom Erziehungstraining inhaltlich kaum etwas mitkriegen können. Meine InterAktiv e.V. Kollegin Pinar, die Dolmetscherinnen Vilena (russisch), Miriam (arabisch), Seda (türkisch) und einige derTeilnehmenden haben mir erzählt, wie sie das Training erlebt haben. Zudem hat mir die Referentin Stefanie López ihr Handout zur Verfügung gestellt. Ich berichte also aus zweiter Hand und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Ausgehend von dem Thema „Kooperation statt Gehorsam“ ging es u.a. um die Fragestellung, wie Eltern oder andere Bezugspersonen Grenzen setzen bzw. für sich sorgen können, ohne die Würde des Kindes zu verletzen. (1. Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“). Ebenso wurde betont, wie wichtig es ist die Grenzen der Kinder zu erkennen und zu achten. Bewusst gemacht wurde hier, dass Erwachsenen und Kinder sich mit voneinanderabweichenden Perspektiven, Interessen, Empfindungen und Bedürfnissen in verschiedenen Welten (Kinder-Welt + Erwachsenen-Welt) aufhalten.

Auszug aus Handout von Stefanie López:

(...)
Wenn zu wenig von den Bedürfnissen eines Menschen erfüllt werden, dann geht es ihm schlecht. Grundsätzlich wollen Kinder kooperieren und einen wertvollen Teil zur Gemeinschaft beitragen. Das geht aber nur bis zu einer gewissen Grenze.
Unsere Kinder, wie auch wir selbst, stehen immer in dem Konflikt: Was tut mir gut? Und was will ich für die Gemeinschaft tun?“
(…)
Und die Frage, die wir uns stellen müssen ist: was ist unser Ziel für die Zukunft unserer Kinder? Das ist sicherlich, dass das Kind zu einem glücklichen, selbstbewussten und empathischen Erwachsenen wird und nicht zu einem verängstigten und gehorsamen. Wir wollen doch, dass unsere Kinder ihre Grenzen kennen und dafür einstehen, dass ihre und auch die Grenzen anderer Menschen nicht überschritten werden. Gehorsame Kinder sind weniger gut in der Lage, für sich selbst zu sorgen und werden eher ausgenutzt. Sie befolgen Befehle, ohne Fragen zu stellen und ohne Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen.

Langfristige Ziele:
- Kooperation statt Gehorsam
- Autonomie/Selbständigkeit statt Abhängigkeit
- Selbstwert statt Selbstzweifel/Minderwertigkeitsgefühl
- Gleichwürdigkeit/Beziehung statt Machtverhältnis

(… )“

Auf der Grundlage der Idee, dass einem demokratischen Erziehungsansatz die Vision eines selbstbewussten Erwachsenen zugrunde liegt, wurden verschiedene interaktive Übungen durchgeführt. Die Teilnehmenden konnten so konkrete Fragestellungen in Bezug auf ein kooperatives Zusammenleben mit ihren Kindern im Alltag aktiv thematisieren. Relevant war in diesem Zusammenhang ebenso die Reflexion der eigenen Bedürfnisse und Haltungen wie der Wechsel der Perspektive, der uns Erwachsenen erlaubt uns in die Kinder und ihre Welt hineinzuversetzen, um sie verstehen zu können.

Zudem gab es immer wieder die Möglichkeit individuelle Herausforderungen des Familienalltags zu formulieren und sich sowohl von der Referentin als auch aus der Gruppe konkrete Anregungen für die Gestaltung eines kooperativen Miteinanders zu holen.

Die Rückmeldungen der teilnehmenden Erwachsenen zum WERTEerziehungskompetenztraining waren durchweg positiv: Alle haben sich aktiv mit ihren Anliegen einbringen können, viele Anregungen mitgenommen und von der großen interkulturellen Gruppe profitiert. Diese bot ihnen Gelegenheit sich mit anderen auszutauschen und sich auch gegenseitig zu beraten.

Insgesamt war diese Doppel-Doppelveranstaltung organisatorisch eine Herausforderung, die dank der kooperativen Zusammenarbeit aller Beteiligten (Kinder, Jugendliche, Eltern, ReferentInnen, Dolmetscherinnen, Unterstützerinnen) super gelungen ist. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf das nächste

Zeitgleich stattfinden wird der

Kinderbetreuung wird auch wieder angeboten. Vorher aber sehen wir uns hoffentlich noch bei vielen anderen Veranstaltungen des Projektes LEbensWERTE Vielfalt inklusiv!

Kontakt:

Yasmina Ouakidi
Projektleitung LebensWERTE Vielfalt inklusiv! + Projektkoordination InterAktiv e.V.

0176 47612198
y.ouakidi@interaktiv-berlin.de

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